Vural Öger und der Fremdantrag des Gläubigers

Letzten Monat musste Vural Öger, einst millionenschwerer Vorzeigeunternehmer aus der Tourismusbranche, einen Insolvenzantrag stellen. Nachdem seine beiden Firmen in die Pleite gingen, musste er selbst nun nachziehen.

Dies geschah nicht ganz freiwillig. Ein Gläubiger hatte beim Amtsgericht in München einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über Ögers Vermögen gestellt. Mit diesem so genannten „Fremdantrag“ erhofft sich der Gläubiger in der Regel eine bessere Befriedigung aus dem Vermögen des zahlungsunfähigen Schuldners. In der Praxis werden Fremdanträge oft durch Krankenkassen, Finanzämter oder Berufsgenossenschaften gestellt. Der Fremdantrag des Gläubigers ist zulässig, wenn der Gläubiger ein rechtliches Interesse an der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat und seine Forderung sowie den Eröffnungsgrund bei Gericht glaubhaft macht.

Liegt ein Fremdantrag vor, muss der Betroffene schnell reagieren. Der Schuldner wird durch das Insolvenzgericht darüber informiert, dass ein Fremdantrag gegen ihn vorliegt. Der Schuldner kann sich gegen den Fremantrag wehren, wenn er nicht zulässig ist. Ist das nicht erfolgsversprechend, hat der Schuldner – so wie Vural Öger – selbst die Gelegenheit, einen Eigenantrag zu stellen mit dem Ziel, die Restschuldbefreiung zu erlangen. Die Restschuldbefreiung wird dem Schuldner nur dann erteilt werden, wenn er dies im Rahmen des Eigenantrags selbst beantragt. Mit der Restschuldbefreiung hat der Schuldner die Möglichkeit, schuldenfrei zu werden, auch wenn er nicht sämtliche Forderungen ausgleichen kann. Wird dem Fremdantrag jedoch stattgegeben, ohne dass der Schuldner reagiert, erlangt er keine Restschuldbefreiung, so dass er sich nach Abschluss des Insolvenzverfahrens regelmäßig wieder vor einem Schuldenberg gegenübersteht.

Für Unternehmer und Selbstständige gilt daher, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Lassen Sie sich beraten, um die Risiken abzuwägen – und wenn erforderlich, selbst einen Eigenantrag zu stellen mit der Option, bestenfalls in drei Jahren schuldenfrei werden zu können.

2017-02-16T02:14:48+00:0005.01.2017|
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